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Helene Schlöcker und Maja Gadaszewska
Perthes-Gymnasium Friedrichroda
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Die Bar Mizwa im Visier

Was ist an der Bar/Bat Mizwa so anders als an den anderen Festen zum Übergang ins Erwachsenenleben?  

  

Der Eintritt in das Erwachsenenleben ist eine sehr wichtige und bedeutungsvolle Zeit für jeden Menschen. In jeder Kultur gibt es Feste, um diesen Übergang zu feiern. Christen feiern Konfirmation oder katholische Firmung, Atheisten feiern die Jugendweihe und das Judentum feiert die Bar/Bat Mizwa.  

Jedoch gibt es auch nicht streng Gläubige aus anderen Religionen, die die Jugendweihe feiern. Deshalb wollen wir im Rahmen unseres Projektes „900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen“ diese Feste vorstellen und die Rituale miteinander vergleichen. 

Die große Gemeinsamkeit besteht in der Übernahme von Pflichten ab dem Zeitpunkt dieser Feste. Im Judentum und Christentum sind die Jugendlichen nun dazu angehalten, zu fasten und regelmäßig die Kirche/Synagoge zu besuchen.  

Die größten Unterschiede bestehen im Alter und in der symbolischen Bedeutung, mit der diese Feste in den unterschiedlichen Religionen stattfinden. Im Judentum findet die Bar/Bat Mizwa im Alter von 12-13 Jahren statt. Ab diesem Zeitpunkt sollen die Jugendlichen religiöse Pflichten übernehmen. Deshalb lautet auch die Übersetzung von Bar/Bat Mizwa „Sohn/Tochter der Pflicht.“  

Dabei ist zu beachten, dass es sich um zwei verschiedene Feste handelt.  Für die Jungen ist es die Bar Mizwa und für die Mädchen die Bat Mizwa. Der Unterschied liegt in vielen Gemeinden darin, dass die Jungen aus der Tora lesen dürfen und die Mädchen nicht. 

Im katholischen Christentum sind die Jugendlichen 15-17 Jahre alt. In dieser Religion gilt die Firmung als Ergänzung zur Taufe und als Zustimmung des Jugendlichen, weiterhin der Gemeinde anzugehören.  

Die Jugendweihe wird im Alter von 13-14 Jahren gefeiert.  

Genau wie in den Religionen repräsentiert die Jugendweihe die Aufnahme in den Erwachsenenkreis und die Übernahme von Verantwortung. 

Im Gegensatz zum Christen– und Judentum muss man bei einer Jugendweihe keinen Vorbereitungs-Unterricht besuchen.  

Allerdings muss man, um eine Bar/Bat Mizwa begehen zu können, mindestens ein jüdisches Elternteil haben. 

Um eine Firmung machen zu können, wäre es von Vorteil, getauft zu sein. Ist man nicht getauft, kann man dies bis mindestens ein Jahr im Voraus nachholen.  

Zudem muss man einen Vorbereitungsunterricht besuchen, indem man sich mit der Bibel beschäftigt und unter anderem lernt, dass das Leben ein Wunder ist.  

Man wählt sich einen zusätzlichen Namen. Dabei ist es wichtig, dass der Name von einem oder einer Heiligen stammt. Der Name dient als zusätzliche Bestätigung, dass man weiterhin dieser Glaubensgemeinschaft angehören möchte.  

 Einfacher als bei den anderen Religionen ist die Jugendweihe, bei der die Eltern nur einen Antrag ausfüllen und ihre Zustimmung für diese Veranstaltung geben.  

Meist einen bis fünf Tage vorher besucht man mit den restlichen Schülern seiner Klasse eine kleine Probe. Diese Probe dient dazu zu klären, wo man während der Ansprachen sitzt und später auf der Bühne steht. Dazu zu sagen ist, dass die Probe keine Pflicht ist. 

Die Bar Mizwa findet am Sabbat nach dem 13. Geburtstag in der Synagoge statt. Der Jugendliche liest dann einen Ausschnitt aus der Tora vor. Da die Tora auf Hebräisch geschrieben ist, muss er Hebräisch lesen können. Heutzutage ist es eher üblich, dass der entsprechende Abschnitt aus der Tora auswendig gelernt wird, hatte uns der Rabbiner erzählt.  

Der Inhalt, der vorgelesen wird, ist hierbei unterschiedlich, da die Tora-Abschnitte sich auf das ganze Jahr verteilen.  

Im katholischen Christentum wird eine kleine Andacht zu Ehren der Jugendlichen gehalten. Dies ist im Judentum nicht der Fall. Bei der Bat Mizwa wird oft eine Feier zuhause ohne vorherigen Besuch der Synagoge abgehalten. 

Im Gegensatz zur Bar/ Bat Mizwa begehen die Jugendlichen die Firmung gemeinsam. Sie findet im Verlauf eines Gottesdienstes statt. Man wird nacheinander vom Bischof gefirmt. Den Firmlingen wird auch der neue Name gegeben und man glaubt daran, dass man mit dem Heiligen Geist versehen wird.  

Außer den üblichen Gebeten, die man während eines Gottesdienstes spricht, muss man das Glaubensbekenntnis lernen. Man braucht für die Firmung auch einen Zeugen (z.B. Mutter, Vater, Freund, Tante usw), der bereits gefirmt wurde. Durch dieses Ritual bestätigt man die Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft. 

Bei der Jugendweihe ist es anders. Man schaut sich ein Programm an, das vom Jugendweihe-Verein (der Organisation für die Jugendweihen) zusammengestellt wurde. Es folgen Ansprachen von Mitgliedern des Vereins sowie Gesangseinlagen. Zum Schluss wird man einzeln aufgerufen, um sich seine/ihre persönliche Urkunde, ein Buch, (“Wendepunkt, Weltanschauung, Werte. Jugendweihe”) und die Beglückwünschungen abzuholen.  

  

In dem Buch stehen unter anderem die Pflichten, die man zu erfüllen hat und die Rechte, die man bekommt. Nach der offiziellen Veranstaltung werden Fotos von der Klasse oder Freundesgruppen gemacht. 

Werden die Jugendlichen zu diesem Ritual gezwungen oder machen sie das freiwillig und was empfinden sie dabei? 

Wir können dabei nur Erfahrungsberichte von unseren eigenen Ritualen einbringen bzw. von den Vorbereitungen.  

Dabei möchten wir zuerst auf die Jugendweihe eingehen, bei der Helene freiwillig teilgenommen hat. Sie ist der Meinung, dass die Jugendweihe auch ohne diese Feierstunde stattfinden könnte. Diese ist eher für die Eltern, damit sie realisieren, dass ihr Kind nun in das Erwachsenenalter eintritt.  

Außerdem ist es für viele Jugendliche unangenehm, vor all diesen Menschen auf der Bühne zu stehen. Allerdings gibt es auch Jugendliche, denen die offizielle Feierstunde wichtig ist. 

Bei der Vorbereitung auf die Firmung ist Maja aufgefallen, dass sie als Gemeinschaft an verschiedenen Aufgaben arbeiten. Die Gruppe führt Diskussionen zu verschiedenen Themen, wie „Was heißt Glauben“ oder „Wer oder was ist der Heilige Geist“.  

Die Meinung von jedem wird respektiert und es gibt kein richtig oder falsch. Diese Vorbereitung hat die ganze Gruppe gestärkt und sie haben Vertrauen zueinander gewonnen.  Es hat die Gruppe nicht nur auf die Firmung vorbereitet, sondern auch mehr Respekt für die Meinung der Anderen gebracht und das Miteinander gestärkt.  

Leider fand die Firmung aufgrund der Corona-Pandemie dieses Jahr nicht statt. Maja macht ihre Firmung freiwillig, da die Firmung für sie, als religiösen Menschen, eine besondere Bedeutung hat.  

Unser Gesprächspartner Rimon konnte sich während der Corona-Pandemie nicht auf seine Bar Mizwa vorbereiten.  

Rimon kann kein Hebräisch, weshalb er den Abschnitt aus der Tora, den er vorlesen muss,  auswendig lernt.  

Für sein alltägliches Leben hat die Bar Mizwa keine Bedeutung, jedoch spiegelt sie für ihn einen wichtigen religiösen Aspekt wider.  Aus diesem Grund macht er seine Bar Mizwa. 

Aus unseren Erfahrungsberichten geht hervor, dass keiner der befragten Jugendlichen zu einem Ritual des Erwachsenwerdens gezwungen wurde und jeder seine eigene Tradition freiwillig durchführte. 

Wir hoffen, dass ihr durch unsere Arbeit und unseren Text die jüdische Tradition der Bar/Bat Mizwa gut nachvollziehen könnt und bemerkt habt, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.  

Es spielt also keine Rolle, welcher Religion man angehört oder welche Traditionen und Feste man selbst für wichtig erachtet und welche nicht. Wichtig ist nur, dass man niemandem vorschreiben darf, welcher Religion er/sie angehören oder welche Traditionen und Feste man feiern soll.  

Wir wünschen uns, dass jeder seine Religion frei ausüben darf, ohne dass er/sie Angst haben muss, ausgeschlossen zu werden. 

von Helene Schlöcker und Maja Gadaszewska