Deutschland

Emely-Sophie Adlung und Jenny Cramer
Perthes-Gymnasium Friedrichroda
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Eheversprechen im Judentum: die jüdische Hochzeit

Zu Beginn des Projektes hatten wir beide keine konkreten Vorstellungen über das Judentum. Doch als wir anfingen, uns mit dem Thema zu befassen, stolperten wir über die jüdischen Traditionen. Ein besonderes Interesse hatten wir an der jüdischen Hochzeit. 

 

Da wir beide jeweils eine atheistische Hochzeit miterlebt hatten und diese eher arm an Traditionen waren, weckte die jüdische Hochzeit unser Interesse, da wir das Judentum immer als traditionell wahrgenommen hatten.  

Wir stellten schnell fest, wie wenig wir eigentlich darüber wussten. Auch nach zahlreichen Interviews konnte uns niemand von einer jüdischen Hochzeit berichten. Trotzdem hielten wir am Thema fest.  

Wir erfuhren, dass man wie beim Christentum zwischen den streng gläubigen orthodoxen und weniger strengen liberalen Juden/Jüdinnen unterscheidet. Durch das Gespräch mit dem Rabbiner Alexander Nachama konnten wir seine persönlichen Erfahrungen nachvollziehen. Er selbst hatte nur wenige Hochzeiten durchgeführt und diese waren fast alle liberal. Dementsprechend war es für uns schwierig, uns eine orthodoxe Hochzeit vorzustellen.  Recherchiert haben wir Folgendes: 

Bei orthodoxen Juden/Jüdinnen ist es üblich, dass Braut und Bräutigam sich vor der Hochzeit eine Woche lang nicht sehen dürfen und ab dem Morgen der Hochzeit fasten. Sie gehen am Tag der Hochzeit zur Mikwe, der rituellen Reinigung. Im Gegensatz zum Christentum findet die Zeremonie oft nicht in einem Gebetshaus, sondern meist unter freiem Himmel statt.  

Bevor die Braut eintrifft, unterschreibt der Bräutigam den Ehevertrag „Kettuba“, der eine lange Tradition hat, die bis ins 5. Jahrhundert nach Christus zurückreicht. Der Bräutigam wird begleitet von zwei Zeugen und unterzeichnet ihn in Anwesenheit des Rabbiners. Heutzutage ist er sehr allgemein gehalten, sodass es für jedes Ehepaar einen gleichen oder ähnlichen Vertrag gibt.  

Der Vertrag beinhaltet hauptsächlich die Verpflichtung zur Fürsorglichkeit durch den Mann.  

Braut und Bräutigam treffen sich unter der „Chuppa“, einem Baldachin-Tuch, der von Teilnehmern der Hochzeit an vier Seiten gehalten wird. Das Tuch muss aus keinem bestimmten Stoff bestehen, sondern steht allein symbolisch für Gastfreundschaft und das zukünftige Heim des Paares.  

Der Bräutigam verschleiert seiner Angetrauten das Gesicht, um zu zeigen, dass er sie nicht wegen ihrer Schönheit und ihres Reichtums heiratet.  

Danach folgt die Frau mit zwei Begleiterinnen unter die „Chuppa“. Nun spricht der Rabbiner ein Segenswort und im Anschluss steckt der Bräutigam der Braut den Ring an den Finger. Der Mann spricht die Worte: "Durch diesen Ring seiest Du mir angelobt entsprechend dem Gesetz von Moses und Israel."  

Danach trinken sie aus einem Becher Wein, genannt „Kelch des Lebens“, der vom Rabbiner gesegnet wurde.  

Zum Beenden der Zeremonie zertritt der Bräutigam ein leeres Glas zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem im 1. Jahrhundert nach Christus.   

Direkt nach der Zeremonie werden Braut und Bräutigam allein in einem Zimmer gelassen, denn erst nach dem Beischlaf gilt die Ehe als besiegelt. Wenn das geschehen ist, darf sich das Ehepaar unter die Feiernden mischen.  

Im Gegensatz dazu läuft die liberale Hochzeit etwas anders ab, es werden aber trotzdem die einen oder anderen Rituale beibehalten.  

Auch bei den liberalen Hochzeiten ist es üblich, dass sich das Brautpaar 24 Stunden vor der Hochzeit nicht sehen darf. Sie gehen ebenfalls getrennt zur Mikwe und fasten an diesem Tag.  

Bevor der Bräutigam zur Braut geführt wird, wird die „Kettuba“ unterschrieben.  

Auch hier verdeckt der Bräutigam der Braut das Gesicht mit einem Schleier. Daraufhin treten Braut und Bräutigam nacheinander unter die „Chuppa“. Im liberalen Judentum ist die Reihenfolge, in der unter die „Chuppa“ getreten wird, nicht vorgeschrieben. Die danach folgenden Abläufe gleichen den Traditionen und Reihenfolgen der orthodoxen Hochzeit. 

Seit einigen Jahren werden im liberalen Judentum auch gleichgeschlechtliche Eheschließungen praktiziert.  

Insgesamt werden die wichtigsten oben aufgeführten Traditionen auch bei Hochzeiten von weniger streng gläubigen Juden eingehalten.  

  

Vor den Gesprächen hatten wir Bedenken: Dürfen wir einen Juden oder eine Jüdin nach ihrer Religion befragen?  

Unsere Zweifel waren unbegründet. Nicht nur der Rabbiner, den wir befragten, sondern all unsere Gesprächspartner waren offen und freuten sich über unser Interesse. Durch diese Offenheit waren wir motiviert, die gesammelten Informationen weiterzugeben und zu zeigen, wie gut uns die jüdische Hochzeit in ihrer Einzigartigkeit gefällt.  

Traditionen wie das Zelebrieren unter freiem Himmel sollten unserer Meinung nach auch bei der christlichen und atheistischen Hochzeit üblicher sein. Auch das Einbeziehen der Familie und Angehörigen in die Zeremonie schafft eine schöne Stimmung. Die Offenheit bei der gleichgeschlechtlichen Ehe hat uns ebenfalls überrascht. Wir denken, diese Aspekte würden für die christliche und atheistische Eheschließung eine Bereicherung sein. 

 Emely Adlung & Jenny Cramer