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Lara-Sophie Schüler
Perthes-Gymnasium Friedrichroda
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Wer ist der wahre Erfinder des VW Käfers? 

Wenn du dich für Autos interessierst und schon immer mal wissen wolltest, wer der wahre Erfinder des VW Käfers ist, dann bist du hier genau richtig.  

 

Als ich meiner Mutter bei der Suche nach einem neuen Auto geholfen habe, bin ich auf eine interessante Geschichte aufmerksam geworden. Unsere Ausschau nach einem Fahrzeug hat mit einem VW Käfer begonnen, an dem meine Mutter Gefallen fand.  

Da der VW Käfer ein sehr besonderes Auto ist, habe ich die Geschichte des Wagens erforscht. Dabei bin ich auf dessen jüdischen Erfinder Josef Ganz gestoßen, der auch Beziehungen zu Thüringen unterhalten hat. 

Über dessen Religion, das Judentum, wusste ich bis dahin nicht viel. Ich hatte bisher im Religionsunterricht nur gelernt, was der Glaube der Juden ist und welche Feste sie feiern.  

  

Als ich über die Persönlichkeit Josef Ganz recherchierte, wurde ich neugierig. Er war ein jüdischer Ingenieur und entwickelte den ersten Prototyp des VW Käfers. Als Urvater des Fahrzeuges gilt jedoch Ferdinand Porsche. Kaum jemand weiß, dass die erste Idee für den Wagen nicht von Porsche stammt. Josef Ganz nannte das von ihm entwickelte Modell aufgrund seiner äußeren Erscheinung „Maikäfer“. 

  

Der VW Käfer ist ein Personenkraftwagen aus dem Volkswagenkonzern, der von 1938-2003 gebaut wurde. Er ist durch seine robuste Technik und sein unverwechselbares Design überall auf der Welt bekannt. Durch seine runden Formen wirkt der Käfer sehr freundlich, gutmütig und lässt seine Betrachter schmunzeln. Lange Jahre war der VW Käfer das meistverkaufte Automobil der Welt. Er gehört zu den deutschen Autolegenden und ist heute ein begehrtes Sammelobjekt.  

  

Josef Ganz wurde am 1. Juli 1898 in Budapest, Österreich-Ungarn, geboren. Er starb am 26. Juli 1967 in St. Kilda, Australien. Ganz war ein deutscher Ingenieur und Journalist. Er war von Kind an schon sehr technikinteressiert und erfand bereits im Alter von 12 Jahren eine Schutzvorrichtung für elektrische Straßenbahnen. Dafür wurde dem damaligen Gymnasiasten ein Patent erteilt.  

  

Im Zeitraum von 1921-1926 studierte Josef Ganz an der TH Darmstadt Maschinenbau und machte sein Diplom. Nach seinem Studium arbeitete er für verschiedene Autohersteller wie BMW, Adler und Daimler-Benz. Außerdem wurde er Chefredakteur des Fachmagazins „Motor-Kritik“ in Frankfurt. Seine Artikel kamen in der Autowelt nicht immer gut an, denn er kritisierte zynisch große, schwere Autos, die technisch oft nicht auf dem neusten Stand waren und machte sich darüber    lustig. 

  

1931 entwickelte er dann den Prototyp des späteren Käfers mit dem Namen „Maikäfer“. Der Wagen sollte leicht und einfach sein und nicht viel Geld kosten. Ein Jahr später fand Josef Ganz in der Ludwigsburger Standard-Fahrzeugfabrik einen Hersteller für seinen „Maikäfer“. 1933 kam eine überarbeitete Version des Prototyps mit dem Namen „Standard-Superior“ auf den Markt. Der Hersteller Standard bewarb den Wagen als Volkswagen. Diese Version sah wie eine direkte Vorwegnahme des späteren VW Käfers aus.  

  

Der Volkswagen Käfer wurde im Frühjahr 1933 auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung in Berlin einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Auch der damals neu ernannte Reichskanzler Adolf Hitler war bei dieser Ausstellung anwesend. Er war begeistert von dem Modell, da es genau seinen Vorstellungen entsprach.  

  

Auch Josef Ganz war guter Dinge und hatte seine Hoffnungen in Hitler gesetzt. Doch Ganz passte nicht in das damalige antisemitische Weltbild der Nationalsozialisten. Kurz nach der Ausstellung verhaftete ihn die Gestapo. Sein Büro in Frankfurt wurde durchsucht und zahlreiche Dokumente wurden konfisziert. Einen Monat später kam er frei, verlor aber seine Stelle als Chefredakteur der „Motor-Kritik“.  

  

Jetzt wird er unter der politischen Führung der Nazis nur noch als Jude angesehen und nicht mehr als Ingenieur. Im März 1934 floh Ganz dann nach Liechtenstein und später nach Zürich in die Schweiz. 

  

1934 befahl Adolf Hitler, dass alle deutschen Autobauer ihre Pläne und Patente kostenlos dem Staat aushändigen sollen. Er wollte unter staatlicher Aufsicht ein Auto entwickeln, welches günstig hergestellt werden kann und für das Volk gemacht ist. Der Wagen sollte nur 990 Mark kosten. Der Reichskanzler sah darin eine Möglichkeit, sich beim Volk beliebt zu machen.  

  

Als Konstrukteur für einen solchen Wagen wurde bei VW Ferdinand Porsche auserkoren. Hitler hätte auch Josef Ganz als Konstrukteur auswählen können, doch weil er Jude war, war dies undenkbar. Die meisten anderen deutschen Autobauer standen dem Plan Hitlers kritisch gegenüber. Sie waren nicht bereit, ihre Konstrukteure für diese Idee bereitzustellen. Nach der Einbürgerung von Ferdinand Porsche, er war tschechoslowakischer Staatsbürger, konstruierte er den ersten VW Käfer. Diese Version ähnelte stark den Konstruktionsplänen von Josef Ganz.  

  

Für Ganz läuft es in der Schweiz nicht viel besser. Ihm wurde die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Doch er gab nicht auf und trieb seine Forschungen und Überlegungen weiter. So konstruierte er für das Unternehmen Rapid in Dietikon mit Unterstützung der Schweizer Regierung einen weiteren Wagen. Aber Josef Ganz hatte wieder kein Glück. 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und von seiner Konstruktion wurden nur 36 Fahrzeuge hergestellt.  

  

Auch die Nationalsozialisten waren in dieser Zeit hinter ihm her. Sie fürchteten, dass Ganz´ Vorarbeiten an ihrem Prestigeobjekt Volkswagen Käfer bekannt werden und in den Mittelpunkt rücken würden. Er bekam immer mehr Feinde in der Schweiz, was auch damit zu tun hatte, dass er kein einfacher Charakter war. Im Jahre 1950 wurde Josef Ganz aus ungeklärten Gründen aus der Schweiz ausgewiesen.  

  

Er siedelt nach Australien über und arbeitete dort für den australischen Auto-Hersteller Holden. Doch wenig Jahre später gab Josef Ganz die Stelle auf. Der Ingenieur war nun arbeitslos, pleite und depressiv. 

Nach und nach bekam Ganz mit, dass der Käfer nun in Deutschland sehr erfolgreich war und dass das Fahrzeug gar nicht mehr mit seinem Namen in Verbindung gebracht wird.  

 1961 sieht es fast nach einem Happy End aus. Die Bundesrepublik Deutschland möchte ihm aufgrund seiner Verdienste das Bundesverdienstkreuz verleihen. Außerdem brauche man ihn in Wolfsburg bei Volkswagen, schrieb ihm Volkswagen-Boss Heinrich Nordhoff.  

Doch Josef Ganz konnte der Einladung der deutschen Regierung nicht nachkommen. Wegen eines australischen Gesetzes musste er die Ehrung ablehnen.  

Nach Wolfsburg konnte er auch nicht, da er einen Herzinfarkt hatte.  

Josef Ganz stirbt 1967 mit 69 Jahren.  

  

Heute hat der VW Käfer die zweithöchsten Verkaufszahlen weltweit. Fast niemand kennt den wahren Erfinder und seine traurige Geschichte. Ferdinand Porsche gilt noch immer in der Öffentlichkeit und der Fachpresse als Urvater des „Käfers“ und das zu Unrecht.  

Das liegt vor allem daran, dass Adolf Hitler damals jegliche jüdische Verbindung mit dem Volkswagen kappen wollte.  

Ich gehe auch davon aus, dass die meisten Volkswagenhändler davon nichts wissen. Ich habe Herrn Bernd Lesser, den Geschäftsführer des Volkswagenhändlers Lesser in Ohrdruf, angeschrieben und ihn nach seiner Meinung zu dem Thema und meiner Recherche gefragt. Freundlicherweise hat er mir auch prompt geantwortet. Er wirkte sehr überrascht und wusste nicht viel über diese Geschichte. Außerdem teilte er mir mit, dass er es nicht zu beurteilen mag, ob nun Josef Ganz wirklich der wahre Erfinder des VW Käfers ist oder nicht. 

Dies finde ich sehr merkwürdig und es zeigt mir, dass die Öffentlichkeit darüber informiert werden muss, dass Josef Ganz der wahre Erfinder ist.  

Ich finde die Geschichte sehr tragisch, weil Josef Ganz nie seine verdiente Aufmerksamkeit bekommen hat und ich den Eindruck habe, dass sich eine andere Person mit dem Ruhm schmückt. Aus meiner Sicht war Josef Ganz ein genialer Erfinder, der aufgrund seiner Religion sehr viel Unrecht in seinem Leben erfahren hat. Man sollte ihm heute seine Leistung anerkennen, die maßgeblich zum Erfolg der Marke Volkswagen beigetragen hat. 

  

Lara-Sophie Schüler